Wenn meine Freundinnen und ich durch Bangkok spazieren und andere Leute treffen, wird unsere Schönheit immer bewundert. Auf Thai wird das Wort „schön“ soweiso großzügig gerbraucht, deswegen werden wir Ladyboys damit geradezu überschüttet.
Eine Redewendung wird in unserem Zusammenhang besonders gerne benutzt: “schöner als eine Frau.“
Ich habe dem nie besondere Beachtung geschenkt und es einfach als Kompliment genommen.
Weniger ist mehr: eine natürliche und trotzdem schöne Frau
Doch wenn ich alleine unterwegs bin, höre ich die Leute manchmal tuscheln: „Ist das eine echte Frau?“
Viele Jahre lang hat mich das sehr verwirrt, denn eigentlich loben uns die Leute ja immer für unsere Weiblichkeit und Schönheit. Wieso erkennen uns dann völlig fremde trotzdem als Transsexuelle?
Zwei Begebenheiten haben hier Licht ins Dunkel gebracht:
Vor etwa zwei Jahren hatte ich mich recht schick angezogen und ansehnliches Make-Up aufgetragen und war sehr selbstsicher, so wie ich aussah. Trotzdem zog ich viele Blicke auf mich und war frustriert, denn eigentlich war ich mir sicher gewesen, dass ich nichts „ladyboyhaftes“ an mir hatte. Deswegen fragte ich meine weibliche Freundin, die mit mir unterwegs war: „warum schauen die mich an? Woran liegt das?“
Sie antwortete einfach: „Weil du gut aussiehst. Besser alles alle anderen um dich herum.“
Trotzdem habe ich es da noch nicht recht verstanden, was sie meinte.
Einige Monate später war ich auf einer Party und irgendwann spät am Abend, ließ eine Frau, mit der ich mich schon einige Zeit unterhalten hatte, eine Bemerkung fallen, aus der ich schließen konnte, dass sie wusste, dass ich eine Transsexuelle bin. Wieder frustriert fragte ich sie: „Wie kannst du das wissen?“
Sie sagte: „Gar nicht. Du bist eine perfekte Frau. Ich hätte es nicht gewusst, wenn du nicht zu hübsch für eine Frau gewesen wärst.”
Einen Moment lang fand ich diese Antwort sehr absurd aber in den darauffolgenden Tagen fügte sich das Puzzle zusammen:
Alle meine weiblichen Freundinnen benutzen kaum Make-Up, haben manchmal unreine Haut, buschige Augenbrauen, Übergewicht und einen schlechten Modegeschmack, wohingegen meine Ladyboy-Schwestern sich sowas nie erlauben würden, denn seit ihrer frühen Jugend streben sie nach Perfection.
Es ist ja nicht so, als wären wir völlig überdrehte Bühnendarstellerinnen, Drag Queen oder Ähnliches, mit High heels wie Stelzen, Make-Up wie tropische Papageien und tuntigem Verhalten.
Es ist wohl eher so, dass wir uns nicht feminin genug fühlen, wenn nicht alles perfekt ist, aber damit wirken wir dann so unecht wie die mit Photoshop bearbeiteten Frauen von den Titelseiten der Modemagazine.
Ich bin immer noch dabei das alles zu verstehen, denn es scheint als wäre ich lange Zeit auf dem Holzweg gewesene und hätte viele frustrierende Situationen vermeiden können.
Aber es scheint trotzdem wahr zu sein, denn eine andere Situation hat es bewiesen:
Ich war zu einem Treffen auf einem öffentlichen Platz gegangen bei dem wir für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgendern demonstrieren wollten.
Als ich dort ankam stand da eine Frau in einem hübschen Kleid, makellosem Make-Up und einer tollen Frisur. Ich kannte sie nicht, aber erkannte sie gleich als eine „Schwester“ von einem „Stamm“ und ging zu ihr, um mich mit ihr zu unterhalten. Dann kam eine andere Frau auf uns zu. Sie hatte normale Haare, kein Make-Up und einfache Kleidung. Sie fragte: „Ist das hier die Katoey-Ecke?. Dann gehöre ich hier her.“ Ich hätte sie nicht erkannt.
Nur, um hier Mißverständnisse zu vermeiden: Ich war nie zu aufgestylt und arbeite schon immer in ganz normalen Jobs, ohne, dass mein Umfeld immer weiß, dass ich transsexuell bin (erst jetzt verstehe ich aber, dass das vor allem deswegen so war, weil ich immer ein ganz normales Business-Kostüm anhatte).
Seit neuestem achte ich darau, immer mal einen Gang zurück zu schalten. Ich trage jetzt ganz einfache Ohrringe, lasse die Hälfte meines Make-Ups weg (und fühle mich dabei nackt) und Jeans und ein einfaches Top sehen auch gut aus.
Und es klappt.
Bild: flickr/ rexquisite
nongduu - 1. Jul, 00:05